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Geschichte des Konzepts

Der Klang ist das, was wir meistens meinen, wenn wir über die Stimme sprechen - die gehörte und gefühlte Stimme. In Theorie und Praxis von Gesangspädagogik, Sprecherziehung, Logopädie oder Atem-Stimm-Sprachtherapie führt dieses Selbstverständliche seltsamerweise aber meist ein Schattendasein.  Und obwohl das ganze Leben irgendwie mit dem Stimmklang zusammenhängt, ist es populär, die Aspekte Atmung, Körperhaltung und Artikulation mit “Stimmentwicklung” gleichzusetzen. Im Schauspiel sind es eher psychologische bzw. bühnenpsychologische Aspekte wie Figur, Rolle, Situation. Der Klang wird dabei aber jeweils sekundär gesehen - als Ergebnis eines physiologischen Prozesses etwa, als Ausdruck von Emotion oder Absicht.

Die stets interdiszplinäre Stimmforschung befasste sich theoretisch und eigentlich immer in Bezug auf technische Anwendbarkeit schon lange mit dem Klang. Spätestens seit Sundberg ist die Akustik (in Form der beliebten Spektraldarstellungen) zwar irgendwie Teil wissenschaftlicher Betrachtung der Stimme geworden, ohne dass sich dieses Wissen aber spürbar in der Praxis hätte verwenden lassen. Im angelsächsischen Raum hat Ingo Titze mit “vocology” die Stimmwissenschaft als eigenes wissenschaftliches Gebiet etabliert. Auch hier standen aber vor allem technische Modelle wie das Primärklang-Filter-Modell zunächst im Mittelpunkt. Im Funktionalen Stimmtraining Lichtenberger Ausprägung spielt der Klang seit den 1980er Jahren eine Schlüsselrolle. Wissenschaftliche Fragestellungen, neueste messtechnische Möglichkeiten und sängerische Neugier kamen hier zusammen.

Franziskus Rohmert, Lehrer für Funktionales Stimmtraining und Feldenkrais, hatte einen riesigen Schrank mit Geräten zur elektronischen Klangfilterung in seiner von einem Grundofen befeuerten Hütte am Fuße der Alpen stehen. Ziemlich teuer und unhandlich. So hatte er die geniale Idee, gefilterte Klänge auf Kassetten verfügbar zu machen, bei denen die Stereospuren besonders belegt, und mit einem zwar handelsüblichen, aber klug veränderten Kopfhörerregler stufenlos mischbar waren. So konnte man verschiedene Sängerformantbereiche in einer Stimme wie durch eine Lupe “betrachten” und langsam wieder in den Gesamtklang integrieren.  Als Vordergrund-Hintergrundspiel beschreiben: man konnte SF- Bereiche in den Vordergrund ziehen und den “Restklang” in den Hintergrund schieben oder beide in beliebige Mischungsverhältnisse setzen. Dies Hör-Spielereien ermöglichten nicht nur eine Verbesserung der analytischen, sondern auch der “synthetisierenden Hörfähigkeit - ein kreatives Hören. Der Witz an der Sache aber war, dass die Beschäftigung mit dem “bloßen Hören” den Stimmklang um eben diese Sängerformanten bereicherte.

Ich baute den Regler nach und übernahm das Prinzip für die CD “Das singende Ohr”, in dem auch mit anderen Klangbereichen zu spielen war.In “Die souveräne Stimme” stellte ich 2005 erstmals einen digitalen Equalizer zur Verfügung, mit dem man  die eigene Stimme oder aufgenommene Klänge filtern kann. Separat dazu gibt es ein Sonagramm. Filtern/Hören und Anschauen waren hier also noch gesonderte Programme. Für viele Benutzer verwirrend. Ich suchte also nach einer eleganteren Lösung und fand sie als Bestandteil eines digitalen Aufnahmestudios, mit dem ich einige Jahre in Einzel- und Gruppenstunden arbeitete.

An dieser Stelle der Erzählung muß Heinz Stolze eingewoben werden. Er ist Physiker und Musiker, Autor zu vielen Fragen im Grenzgebiet der Physik und Musik (also z.B. Akustik) und begleitete das Lichtenberger Institut für einige Zeit mit seiner Expertise. Passioniert interessiert daran, physikalisches Wissen erfahrbar, nutzbar, konkret anwendbar zu machen, entwickelte er Klangspiele mit natürlichen Klangerzeugern wie Klangröhren, speziellen Stimmgabeln und Flötchen - nutzte früh aber auch die Möglichkeiten der spektralen Klangdarstellung und der synthetischen Klangerzeugung im Gesangsunterricht. Er entwickelte den Begriff der “Ko-sonanz” um das mehr oder weniger beliebig verwendete Wort “Resonanz”, das - der Physik entlehnt - aufgrund seiner Passivität vor allem inhaltlich völlig unpassend für viele Stimmphänomene ist, adäquat zu erweitern. Mit dem Konzept des “Klangkontakts” legte er 1999 den Ansatz zur Betrachtung der Stimme und zum praktischen Üben vor, der die Basis von VoxVisionear darstellt.

Kehren wir zu meiner Arbeit mit dem spektralen Filter, der Teil eines Audiostudios war, zurück. Diese Lösung ging zwar jemandem, der mit derlei Software vertraut war, leicht von der Hand - war etwas zu sperrig für die meisten Leute, denen ich beibringen wollte, selbst damit umzugehen. Daher machte ich mich erneut auf die Suche. Und fand Bodo Maass, der   Erfahrung mit dem Programmieren benutzerfreundlicher Software hatte. Er hatte den Overtone Analyzer geschrieben, ein flüssiges, intuitives und vielseitiges Programm zur Frequenzdarstellung von Klang. Spektral zu filtern - diese Idee hatte auch ihn schon umgetrieben - nur, wie das aussehen könnte, das war bis dahin noch unklar gewesen. Inzwischen ist die Sache klar - und der neue Overtone Analyzer viel mehr, als sein Name erahnen lässt.

 

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